Tag 6

Diese Zeilen entstehen während ich im Shinkasen von Shin-Osaka sitze. Sprich wieder einmal einen Tag nachdem die beschriebenen Ereignisse eingetreten sind.

Ich hoffe, daß meine Leser darüber hinwegsehen können, aber das Schreiben braucht seine Zeit und meistens ist mein Ausflugsprogramm doch einem sehr straffen Zeitrhytmus unterworfen.

Doch jetzt zum gestrigen Tag. Heute hatte ich mir also vorgenommen zum Friedensmuseum, zum dazugehörenden Friedenspark und zum Atombomben Dome zu gehen.

Ich entschied mich dieses zu Fuß zu tun und war dann wohl auch knapp 10 – 15 Minuten später dort. Von weitem sah ich schon wieder, daß wohl auch eine Menge Schulklassen anwesend waren. Der Eintritt für das Museum kann wohl eher als symbolisch betrachtet werden.Ein wenig mehr kostete dann der deutschsprachige Audioguide, der wie sich im Laufe des Museumsrundgangs zeigen würde, allerdings auch mehr als lohnte.

Die Ausstellung begann mit der Entwicklung Hiroshimas in der Vergangenheit und dessen Rolle als Garnisonsstadt (Verschiffungshafen) in den von Japan geführten Kriegen im 19 und 20 Jh. Insbesonders durch diese Kriege wurde die Bedeutung der Stadt gesteigert und sie wurde letztlich zum Hauptquartier der kaiserlichen Armee.  Als nächste Entwicklung ist dann Japans Plan der ostasiatischen Wohlstandssphäre hervorzuheben, der letztlich in unseren Geschichtsbüchern den Beginn des 2. Weltkrieges markiert. Hier hingegen wird er als der „Manschureivorfall“ bezeichnet. Diese Entwicklung soll verdeutlichen, warum Hiroshima schließlich Ziel der Bombe wurde. Mit diesem Aspekt und der amerikanischen Motivation sowie der Entwicklung der Atombombe anhand von Originalen und Repliken der amerikanischen Dokumente befasst sich dieser Abschnitt der Ausstellung. Auch mit der angerichteten Zerstörung Fläche und Bebauung betreffend. Hier wird auch  auf die menschlichen Verluste Bezug genommen. Hier ist dann interessant, daß ausdrücklich die koreanischen Zwangsarbeiter aufgeführt werden.Darauf folgt ein Abschnitt der sich mit den nach dem 2. Weltkrieg begonnenen Bemühungen Hiroshimas und Nagasakis für eine Atomwaffenfreie Welt beschäftigt. Soweit zum theoretischen Vorspiel.

Im zweiten Flügel des Gebäudes erwartet einen dann das Grauen in Form von Berichten von Atombombenüberlebenden und Gegenständen von denjenigen, die nur auf Grundlage von diesen identifiziert werden konnten. Der Audioguide erzählte, wie bereits zuvor etwas über das Geschehene und ich möchte an dieser Stelle sagen, daß es wahrlich ans Herz ging. Auf diese Abteilung folgte dann ein Teil, der sich mit den akuten und späteren Folgen der Atombombe befasste und in dem auch nicht die Geschichte des Mädchens mit den 1000 Kranichen fehlen dürfte. Erstaunlich aus meiner Sicht war, wie schnell es den Japanern und auch dann dem Roten Kreuz gelang trotz der wenigen zur Verfügung stehenden Mittel Hilfe zu organisieren. An dieser Stelle möchte ich noch auf ein interessanten Fakt hinweisen: Kurze Zeit nach der Atombombe fegte ein Typhoon über Hiroshima hinweg und dieser könnte der Grund dafür sein, warum die Strahlenbelastung vergleichsweise schnell nachließ. Zumindest ging man zunächst davon aus, daß in Hiroshima nie wieder eine Pflanze wachsen würde.

Am Ende der Ausstellung konnte man sich noch die Berichte von 10 Überlebenden anschauen. Diese waren sehr unterschiedlich in ihrem emotionalen Grad. Von keiner Emotion bis hin zu weinen, war hier alles dabei und auch ein Koreaner kam zu Wort, dessen erster Gedanke nach der Bombe war, daß nun wie bereits einmal zuvor die Koreaner dafür verantwortlich gemacht würden.

Alles in allem hat die Ausstellung mich emotional doch sehr mitgenommen.

Nach dem Museum ging ich noch in eine unterirdischen Gedächtnissraum? , schaute mir den Friedenspark mit dem Kenotaph, dem Denkmal für die Kinder, die Koreaner und den Atombomben Dome an.

Inzwischen war reichlich Zeit vergangen und so entschloss ich mich gen Innenstadt zu gehen um dort in einem in meinem Reiseführer empfohlenen Okonomiyakirestaurant zu speisen. Doch dieses zu finden gestaltete sich trotz Karte ein wenig schwierig, so daß ich schließlich einen Japaner fragte, der mich dann auch nach Ca. 10 Minuten dort hinführte und das obwohl es definitiv nicht auf seinem Weg lag. Großartig.

In dem Restaurant traf ich dann auf ein amerikanisches Pärchen aus Kalifornien, die zusammen mit zwei älteren Japanerinnen dort waren, die entweder irgendwie mit ihnen verwandt oder ihre Freunde waren. Auf jeden Fall entwickelte sich ein angenehmes Gespräch und das Okonomiyaki war auch hervorragend. Ich esse jetzt schon seit knapp einer Woche lauter unbekannte Dinge und konnte mich noch nicht einmal darüber beschweren, einfach erstaunlich. Was dann passierte fand ich dann doch sehr überraschend. Die Vier wollten gehen und es stellte sich heraus, daß es sich die ältere Dame nicht nehmen lassen wollte zu bezahlen und als sie dann aufstand meinte sie doch fast schon beiläufig zu mir, daß sie auch für mich bezahlt hätte. Ich war über diese Gastfreundlichkeit wohl so verdutzt, das ich wohl ziemlich verdattert dreinschaute. Sie meinte nur, daß es ok sei und die vier zogen von dannen.

Noch  ganz überrascht und immer noch ein bisschen mitgenommen vom Museum entschied ich mich, dem Zen Garten in Hiroshima einen Besuch abzustatten. Im Nachhinein bin ich mir sicher daß das zu diesem Zeitpunkt die beste Entscheidung war, da der Garten sehr dazu beitrug, daß ich mich besser fühlte. Bei dem Park handelt es sich zwar um eine Rekonstruktion, da das Original durch die Bombe zerstört wurde, doch dennoch war es wie in einer anderen Welt. Harmonie pur.

Auf dem Rückweg bummelte ich noch ein wenig durch die große Einkaufspassage in Hiroshima und konnte jetzt auch endlich feststellen, daß es auch durchaus Dinge in Japan gibt, die ein wenig preiswerter als bei uns sind. Hierzu zählen z.B. Produkte von Adidas. Darüber hinaus gibt es auch Kleidungsgeschäfte, die preiswertere aber anscheinend immer noch qualitativ hochwertige Textilien verkauften. In einigen Mangaläden und Läden für ältere viel. gebrauchte Bücher scheiterte ich dann allerdings mehrmal kläglich als ich versuchte den alten Manga Lady Snowblood auf japanisch zu bekommen. Mir schlug hier zwar immer extreme Hilfsbereitschaft entgegen doch war die gepaart mit Unkenntnis der Materie, so daß ich dieser Versuche immer erfolglos abbrechen musste.

In einem Computergeschäft teite man mir dann mit, daß der neue iMac erst morgen da sein würde, schade.

Danach überkam mich langsam eine Müdigkeit und ich kehrte zum WfC zurück, wo ich mich zunächst schlafen legte. Später wachte ich wieder auf und besah mir meine Planung für den nächsten Tag, die erneut exakt auf den Fahrplan von Japan Railways abgestimmt war. Ich brauche einfach überall zu lange, aber es ist hier auch einfach überall auf seine eigene Art ein Erlebnis.

Und jetzt wie immer Impressionen des Tages:

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und den hätte ich gerne 😉

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